Víctor Jaubert – Ein kanarischer Illustrator

Kunst und Kultur

„Der Stil verfolgt mich seit meiner Kindheit,
ich bin besessen von dieser Zeit“

Víctor Jaubert ist ein kanarischer Illustrator mit einem sehr eigenen Stil, der auf seinen Erinnerungen aus den 60er, 70er und 80er Jahren basiert – zusätzlich zu denen aus seiner eigenen Kindheit. El viajero del Faro hat ihn für Maka interviewt.

Wie würdest du jemandem, der dich nicht kennt und deine Arbeit nie gesehen hat, erklären, wer Victor Jaubert ist?

Victor Jaubert ist ein kanarischer Illustrator, der eine ziemlich traditionelle Arbeitsweise hat und die typischen Techniken verwendet, die man schon als Kind in der Schule nutzt. Mit Aquarell, Tempera, Papier oder Collagen kreiert er seinen ganz eigenen Stil aus seinen Erinnerungen an die 60er, 70er und 80er Jahre sowie an seine eigene Kindheit. Ich denke, die Mischung aus diesen visuellen Effekten führte zu seiner heutigen Art zu zeichnen, der er sich seit 2002 rein und ausschließlich widmet.

Erinnerst du dich an das erste Mal, als du gedacht hast, dass du dich der Kunst widmen wolltest? Wie fühlte es sich an?

Es gibt keinen konkreten Gedanken oder genauen Moment, an den ich mich erinnere, aber ich weiß, dass jeder um mich herum ihn für selbstverständlich hielt. Die einzige Ausnahme waren vielleicht meine Eltern, die darin keine große Zukunft sahen und sich für ihren Sohn etwas mehr Stabilität gewünscht haben, wie zum Beispiel bei einer Arbeit wie der eines Professors für Bildende Kunst. Ganz im Gegensatz zu meinen Großeltern oder meinen Onkeln zum Beispiel, die mir immer ein Stück Papier zuschoben, damit ich zeichnen konnte. Ich habe nie ausgesprochen, dass ich mich der Kunst widmen wollte, aber es ist wahr, dass dieser Weg schon immer klar vor mir lag. Vor allem, als ich die Schule verließ. Ich denke, das war der Moment, in dem ich wirklich das Gefühl hatte, mich voll und ganz dem zu verschreiben, was mich begeisterte.

Dein Stil ist sehr persönlich und unverwechselbar. Kannst du uns etwas mehr darüber erzählen? Woher stammt der charakteristische Stil deiner Illustrationen?

Der Stil entspringt ohne Zweifel meiner Kindheit. Ich bin besessen von dieser Zeit, ich mag sie und ich habe sehr gute Erinnerungen daran. An jene Nachmittage, an denen ich vor dem Fernseher saß und Trickfilme sah, deren Figuren ich später kopierte und nachzeichnete, bis ich später fast alles auswendig konnte, ich im Fernsehen geschaut hatte. Auch an das klassische Kino, das meinem Vater so sehr gefiel und dessen Filme er immer wieder sah. Ich denke, dass diese Farben, diese Art der Kleidung, das Make-up der Damen, all das prägte sich mir ein und vermischte sich in meinem Kopf zu dem, was später meine besondere Art zu zeichnen sein würde. Ich liebe es, wenn Leute, die älter als 40 Jahre sind und eine Ausstellung von mir sehen, mir sagen, dass meine Arbeit sie an ihre Kindheit erinnert. Und an die Serien, die sie als Kinder gesehen haben. Das ist es, was ich mit meinen Zeichnungen erreichen will. Ich will an die Zeit erinnern, die mich so glücklich gemacht hat.

Illustration by Víctor Jaubert for Maka

Wie gestaltet sich dein Arbeitsprozess, wenn du ein neues Projekt beginnst?

So seltsam das klingt, ich verbringe gerne ganze Nachmittage damit, mir mein Material aus meiner Kindheit anzusehen. Einige Leute fangen an, sich die Bücher von Velázquez als Inspiration zu Gemüte zu führen und ich fange an, mir Dinge aus meiner Schulzeit anzusehen. Sprachbücher, Mathematikbücher, Collagen, Aufgaben, die mir Unterricht aufgetragen wurden und die ich immer noch habe. Diese Präsentationen, diese Kleidung, die Fotos, die Filme…ich lasse mich von all dem inspirieren und mache mich dann an die Arbeit.

Du kannst eine Vielzahl von Publikationen vorweisen, einige Ausstellungen, Poster. In welchem Bereich der Kunst fühlst du dich am wohlsten und warum?

Wo ich mich am wohlsten fühle, ist zweifellos in den Ausstellungen, die ich gemacht habe. Denn dort habe ich die völlige Freiheit, meine eigenen Geschichten zu kreieren. Ich glaube, dass jede Illustration, die ich für Ausstellungen mache, wie eine Geschichte ist. Man gibt ihr einen Titel und man erschafft eine Welt, die man im Kopf hat und die man zu einem anderen Zeitpunkt nicht erfassen kann. Hier fühle ich mich wirklich frei darin, alles, was ich in mir trage, auf Papier zu bringen.

Deine Arbeit „Comparsera entre los mares“ (Komparsin zwischen den Meeren) ist eine der 10 Finalisten für die Wahl des offiziellen Posters des Karnevals 2019. Was würde es für dich bedeuten, diesen Preis zu gewinnen?

Worüber ich mich freuen würde, ist, dass das Poster gesehen wird. Leute, die dich nicht kennen, können deine Arbeit sehen. Es ist wie ein Fenster, um viel mehr Menschen zu erreichen.

Deine “Reisepersönlichkeiten”, wie ich sie gern nenne, haben schon immer meine Aufmerksamkeit erregt und mir sehr gefallen. Wie ist diese Idee entstanden? Machst du diese Fotos selbst, während du reist? Wir würden uns freuen, wenn du uns etwas mehr darüber erzählen könntest.

Es sind Zeichnungen, die ich vor allem für die sozialen Netzwerke anfertige. Es begann mit dieser simplen Idee und mittlerweile bitten mich viele Leute, ihnen speziell für Ihre Reisen Bilder zu malen. Diese wollen sie dann mitnehmen, Fotos davon machen und mir zum Teilen zusenden. Es ist eine Möglichkeit, um meine Art mich mitzuteilen auch auf solchen Plattformen umzusetzen. Da ich normalerweise viele Schulen besuche und viele Kinder Instagram haben, dachte ich, es könnte Spaß machen, ihnen meine Welt durch diese spontanen Fotos zu zeigen.

Ich denke 24 Stunden lang ans Malen

Wenn ich im Kino sitze, bekomme ich manchmal nichts vom Film mit. Stattdessen denke ich über irgendein Projekt nach, dass ich gerade im Kopf habe.

Wenn du als Erwachsener mit dem Kind sprechen könntest, dass schon seit frühen Jahren seine Fantasie mit Zeichentrickfilmen fliegen ließ – Was würdest du ihm gern sagen oder wie würdest du die Träume ermutigen, die du damals schon hattest?

Dieses Kind hatte es wirklich leicht, weil es schon immer tat, was es wirklich mochte und immer zeichnete. Ich müsste ihm also wenig sagen, um ihm Flügel zu verleihen. Vielleicht wäre es besser, mit dem Jugendlichen zu sprechen, der weitaus mehr Zweifel hatte. Um ihn zu ermutigen, mehr Risiken einzugehen und Chancen zu nutzen, die vielleicht verloren gingen, weil er nach Sicherheit suchte.

Da wir schon von der Sicherheit sprechen, nach der sich alle Künstler sehnen und die so schwer zu erlangen ist: Wie stellst du dich dieser Angst, die all jene heimsucht, die sich ihrer wahren Passion widmen?

Es ist kompliziert, von der Kunst zu leben. Man muss sich ihr Tag und Nacht verschreiben. Ohne Pause. Meiner Meinung nach, muss man seine Arbeit in verschiedene Richtungen leiten. Lernen, sich zu diversifizieren. Ich denke  24 Stunden lang ans Malen. Wenn ich im Kino sitze, bekomme ich manchmal nichts vom Film mit. Stattdessen denke ich über irgendein Projekt nach, dass ich gerade im Kopf habe.

Hast du zum Abschluss noch einen Ratschlag für jene Menschen, die gerade erst anfangen, sich der Kunst widmen möchten und voll und ganz von ihr leben wollen?

Es bedarf vor allem Beständigkeit. Und die Nutzung der sozialen Netzwerke, die heutzutage so unheimlich wichtig sind. Viel schwieriger ist der Anfang; den eigenen Stil zu finden, erkannt zu werden. Aber mit Beständigkeit und viel Engagement kann man es schaffen. Heute haben wir den Vorteil, dass wir von zu Hause aus überall hinreisen können und immer in Bewegung sind. Das hilft sehr dabei, die eigene Arbeit überall auf der Welt zu verbreiten.

SO FINDEST DU VÍCTOR JAUBERT:

victorjaubert.com
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