Avantgardistisches Holz

Kunst und Kultur

David Sánchez aus Teneriffa interpretiert den Beruf des Instrumentenbauers neu, indem er künstlerische und emotionale Elemente in das Handwerk des Instrumentenbaus einbringt.

Dieser Artikel hätte eigentlich von einem Sportlehrer handeln müssen. Du hast richtig gelesen, denn das war der Weg, den David Sánchez León, der vor 37 Jahren in Santa Cruz de Tenerife geboren wurde, für sich gewählt hatte. Tatsächlich studierte er dieses Fachgebiet der Lehre an der Universität von La Laguna, als plötzlich die Musik eine unbändige Verführung auf ihn ausübte. Er spielte schon immer gern Timple, doch als er sich in der Endphase des Studiums dazu entschied, das kanarische Instrument in einer Gruppe zu spielen, wuchs seine Begeisterung zu mehr als nur einem Hobby: er erkannte, dass in der Musik seine neue Lebensphilosophie lag. „Ich suche immer nach Emotionen“, lautet seine Maxime.

Es könnte sich an dieser Stelle also um die Geschichte eines weiteren professionellen Musikers handeln, wenn es nicht eine andere Wendung gegeben hätte…den Bau von Instrumenten. Kurz gesagt, er wollte ein Instrumentenbauer zu werden. Aber nicht irgendein Instrumentenbauer. Der „Sprung in den Abgrund“, wie er selbst es beschreibt, war für ihn ein sehr persönlicher, wie du noch feststellen wirst.

Der lange und aufwändige Prozess hatte verschiedene Etappen.

Von der Lektüre eines Buches von Benito Cabrera, einem der bekanntesten Timple-Spieler auf den Kanaren, bis zu einem handgeschriebenen Brief an die alte Schule, gerichtet an den Kunsthandwerker Francisco Fariña. Ziel war es, von ihm die Grundlagen seiner Arbeit zu erlernen und er hatte Erfolg. Gleichzeitig bildete sich dieser junge Tinerfeño entscheidend autodidaktisch weiter. Dazu gehörten Disziplinen wie Architektur, Skulptur, Malerei…oder auch Marketing und Design, um weitere zu nennen. Das überrascht, nicht wahr? Nun, wir sprechen hier auch von einem etwas anderen Profi.

Für eine bessere zeitliche Orientierung sei das Jahr 2007 zu erwähnen, das einen Wendepunkt in seiner Entwicklung zum Instrumentenbauer markierte. Er erschuf sein erstes, komplettes Instrument (welches er, wie könnte es auch anders sein, natürlich bis heute aufbewahrt). Seitdem entstanden Timples, Gitarren, Bässe, Kontrabässe. Sie alle sind Einzelstücke (sowohl in ihrer Anzahl, wie auch in ihren innovativen Designs).

„Ich wollte Grenzen überschreiten”. David Sánchez, auch bekannt als Ds, war in die Herausforderung vertieft, seine eigene Sprache zu finden, die neben der Berührung auch Dialog, Funktionalität und künstlerischen Ausdruck kombinierte. Für ihn „sind es nicht einfach nur Instrumente“.

„Ich wollte Grenzen überschreiten“

Er verleiht ihnen jene „Widersprüche“, die er so sehr mag, wie Falten im Holz, die Berücksichtigung der Textur, der Geruch – und die Empfindungen, die er hervorruft –, das Licht und sogar die Ergonomie. Er passt seine Kreationen so an, dass sie zum Beispiel mit geradem Rücken gespielt werden können.

Genauso wichtig ist es ihm, auf Nachhaltigkeit zu achten, indem er Materialien wie Recyclingpapier, Leinen oder Bienenwachslasur verwendet.

Nun, nachdem du sein interessantes Profil kennengelernt hast, interessiert es dich bestimmt, mehr über die Phasen seines kreativen Prozesses zu erfahren. Zunächst zeichnet er auf Papier, um sich frei zu fühlen, ohne Vorurteile oder Stereotypen. Der nächste Schritt ist die Erstellung eines Modells, um zu sehen, was machbar ist und was nicht. Drittens kommt das Holz ins Spiel: die Wahl, welche Sorte verwendet wird und der Übergang zu einer standardisierten Herstellung, die anschließend überarbeitet wird.

Ist das Instrument einmal fertig, so wird sein Klang getestet und auch die zuvor erwähnte Ergonomie. Der fünfte Schritt ist, das Produkt bekannt zu machen. Er erklärt es, zeigt es auf Fotos und in Videos, nutzt seinen Blog und soziale Netzwerke. Dabei betont er, wie wichtig es ist, sich um diesen Teil der Werbung zu kümmern.

Gerade wegen all dem, was du bisher über ihn erfahren hast, gehörten zu den Hindernissen, denen sich Ds stellen musste, das Unverständnis und der Widerstand von außen, die sich in verschiedenen Kritiken zeigten. Der multidisziplinäre Instrumentenbauer erkennt an, dass es Fachleute und relevante Persönlichkeiten gab, von denen vor allem letztere nicht verstehen konnten, was er tat. Nachdem er seine besondere Zeit der Assimilation durchlaufen hat, glaubt er, dass er aus diesen Situationen viele Antworten gewinnen konnte und am Ende gelernt hat, sich die konstruktive Kritik anzunehmen. „Versagen kann gesund sein”, sagt er.

Zur selben Zeit und mit dem Fortschritt seiner Kreationen, erhielt er aber auch eine Dosis „Sicherheit“. Das Vertrauen, dass ihm Preise und Beachtung von Gremien und Experten verschiedener Disziplinen außerhalb seines Wohnortes verliehen. Sie waren Anreize, weiter zu suchen und die Momente der Zweifel zu überwinden, die immer wieder auftauchen.

Und bei dieser ständigen Suche musste der Gitarrenbauer auf Teneriffa Hersteller finden, die Komponenten fabrizierten, die auf seine Instrumente abgestimmt waren und nicht umgekehrt. Es entstand ein ausgedehnter Kontakt mit Handwerkern und Firmen der Spanischen Halbinsel, Deutschland, Brasilien. Und das brachte ihn dazu, Heringe aus den Vereinigten Staaten mitzubringen.

Als er Referenzen seiner Arbeit schickte, wurden ihm weitere Türen geöffnet. Etwas, das ihn zum Unterstützer einer italienischen Firma für Seiteninstrumente machte. David Sánchez reflektiert, wie das Leben auf einer Insel beeinflussen kann.

„Ich versuche, avantgardistisch zu sein“

„Ich versuche, avantgardistisch zu sein; ich brauche fließende Prozesse und mir gelingt das nicht, besonders, was die Logistik betrifft“, sagt er. Widersprüche, die nicht nur eine Rolle spielen, wenn es darum geht, dass er seine benötigten Materialien erhält. Sondern auch, wenn er seine Instrumente zeigen und an Wettbewerben fernab der Kanarischen Inseln teilnehmen will. Zu den Schwierigkeiten der notwendigen Reisen selbst kommt erschwerend hinzu, dass die Instrumente beim Transport fast immer Schäden erleiden. Aus diesem Grund musste er seine Bemühungen auf diesem Weg unterbrechen. Dennoch schließt er nicht aus, dass er für eine Zukunft die Inseln beruflich hinter sich lassen muss. Ganz sicher, um mehr Grenzen zu überschreiten.

Tatsächlich stellt er sich täglich Herausforderungen, ohne dabei seine Werkstatt zu verlassen. Jedes Mal, wenn er sich einer neuen Kreation stellt. Er versucht, sie nacheinander zu erschaffen, was in der Regel durchschnittlich 6 bis 7 Monate pro Instrument dauert, um den Montageprozess abzuschließen. Manchmal benötigt er auch bis zu ein Jahr. Früher bestellte man mehr Timples und jetzt sind es die Gitarren, die gefragt sind. Die Trends bestimmen die Richtung. Und was ist mit den Preisen? Von 120 bis 3.000 Euro, was von vielen zu erwägenden Variablen abhängt. Und als Einzelstücke haben die Instrumente natürlich ihren eigenen, exklusiven Namen; er wählt sie fast immer zu Beginn des Prozesses, inspiriert zum Beispiel durch Lesarten von Philosophie und Architektur.

Und wo wir gerade vom Lesen sprechen, David Sanchez fand seiner Zeit heraus, dass es kein veröffentlichtes Buch gab, das sich mit der Konstruktion der Timple befasste. Er wollte diese Lücke schließen, indem er 2016 „El Tratado. Barniz: Mito o realidad“ publizierte. Eines seiner Bedenken ist, dass es in dem Beruf des Instrumentenbauers einen Generationswechsel geben wird, da es derzeit kaum „Nachwuchstalente“ gibt. Auf dieser informativen Linie hat er an Artikeln in verschiedenen Zeitschriften mitgewirkt und spielt mit der Idee, ein weiteres Buch zu veröffentlichen. Das klingt alles sehr gut, genauso wie seine Instrumente. Authentische Kunstwerke, die die Sinne anregen.

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(+34) 652 147 298

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